Wer mehr als eine Million Dollar besitzt, wird anhand einer alljährlichen statistischen Erfassung von Boston Consulting Group, BCG, einer in 42 Staaten vertretenen Unternehmensberatung, erhoben. Die Anzahl derjenigen in Deutschland wächst demnach – trotz Auswirkungen der Wirtschaftskrise – rasant an.
Deutschland steht in der Anzahl seiner Millionäre bei einem weltweiten Vergleich an fünfter Stelle: 345.000 Haushalte sind es, die hierzulande mehr als 807.000 Euro, entweder in bar, Wertpapieren oder Fonds, ihr Eigen nennen dürfen. Seit dem Vorjahr handelt es sich um einen Anstieg von 8 Prozent. Nur die Vereinigten Staaten, Großbritannien, China und Japan weisen über eine noch höhere Dichte an Millionären auf. Vergleicht man darunter die Summen der Reichsten, konkret denjenigen, welchen mehr als 100 Millionen Dollar zur Verfügung stehen, nehmen die Deutschen bereits Platz 3 ein. Deren Anzahl stagniert allerdings.
Der Trend in den zur Zeit geschwächten Staaten, wie Italien oder Spanien, zeigt sich auch bei der Anzahl ihrer reichen Haushalte: Dort geht es in die andere Richtung. China und Indien hingegen produzieren stetig neue Millionäre. Singapur scheint sich als Zentrum für Reiche entwickeln: 17 Prozent der Einwohner entsprechen dort den Kriterien des Millionärs. Qatar mit 14 Prozent und Kuweit mit 12 Prozent stehen knapp vor der Schweiz. Westeuropa hingegen bekommt spürbar auch bei diesen Werten die Folgen der Wirtschaftskrise zu spüren.
2,5 Millionen deutsche Kinder in Armut: Armutsbericht vor den Wahlen hinausgezögert
Alle vier Jahre hat die Deutsche Bundesregierung seit dem Jahr 2000 einen Reichtums- und Armutsbericht zu erarbeiten. Der Dritte wäre somit heuer, noch 2012, fällig. Dabei werden auch die Erfassung von Zusammenhängen und Erklärungen für die Entwicklung der letzten vier Jahre erwartet – zumindest aber bildet diese Analyse die Basis für eine weitere Auseinandersetzung. Laut UNICEF leben 2,5 Millionen deutsche Minderjährige in Armut, was den regelmäßigen Verzicht an Mahlzeiten oder minimaler Freizeitgestaltung für sie bedeutet.
Auch der Staat selber hat immer mehr zu kämpfen. Hier kann nur die Politik ein weiteres Auseinanderklaffen verhindern, um das gewohnte soziale Gefüge aufrecht zu erhalten. Gabrielle Hiller-Ohm befürchtet, dass der erwartete Bericht vor den Wahlen zum Bundestag nicht mehr veröffentlicht wird. In diesem Fall könnte der Wähler das Ergebnis der Arbeit der Bundesregierung nicht gänzlich beurteilen und diese Entwicklung in seine Wahlentscheidung folglich nicht miteinbeziehen.

