Wie kommt ein Privater an den Strom von der Börse?

 

Pionier gegen Belastungwelle? Lekker Strom holt Private an die Börse - Quelle: flickr.com/loop_oh

Die Antwort ist einfach: Nur dann, wenn er ein Unternehmen auf seiner Seite hat, welches dort für ihn handelt. Dasselbe passiert bei jedem erdenklichen Stromlieferungsvertrag jeden Tag – nur anders. Lekker Energie wartet mit einem ungewöhnlichen Projekt auf: Das Unternehmen möchte seinen Kunden künftig ermöglichen, selber an der Strombörse zuzuschlagen – ein Tarif, der bisher nur Unternehmern und Industriellen geboten wurde, wäre auch für Privathaushalte die wohl beste und günstigste Form der Strom-Versorgung. Im Februar 2012 stellte Lekker Energie in Grundzügen sein Konzept vor. Der Unterschied liegt in der Möglichkeit des eigenen Handelns und vollster Transparenz zu möglichen Bestpreisen.

Kratzen am Privileg der Industrie

Als zweitgrößter Anbieter von Energie in der Bundeshauptstadt Berlin war das Unternehmen bisher als “Nuon Deutschland” bekannt. Im Februar 2012 gab der Geschäftsführer, Thomas Mecke, die Absicht bekannt und erläuterte der potentiellen Kundschaft die Vorteile dieses für Private besonderen Bezugsmodells: Diese werden durch den erst im Detail zu erarbeitenden Tarif ihre Strom-Pakete selber einkaufen können. Damit wird es ihnen ermöglicht, gekonnt den Höchstpreisen zu Spitzenzeiten aus dem Weg zu gehen und sie haben ihre Fixkosten selber in der Hand – transparent, planbar und sicher. Denn es kann dabei keine bösen Überraschungen mehr geben. Teuerungen, die jeden Privathaushalt ansonsten mit Sicherheit treffen würden, werden für diese Kunden nicht mehr schlagend werden.

Tarife wie diese erhielten bislang exklusiv Unternehmer und Industrielle. Es spricht nichts dagegen, auch die Privaten an dieser Möglichkeit teilhaben zu lassen. Und doch wird es sich dabei um eine Art “Tabubruch” handeln. Damit wird es der erste Vorstoß in diese Richtung und bisher hatte noch kein Anbieter daran Interesse, die Privaten aus ihrer “Knebelposition” herauszuholen. Um eine wirksame PR-Maßnahme handelte es sich mit dieser Ankündigung auf jeden Fall. Wenngleich die genauen Konditionen noch nicht feststehen, dürfte bereits die Absicht allerhand Staub aufgewirbelt haben.

Die Strom-, eigentlich Energiebörse “European Energy Exchange” (EEX) mit ihren Sitz in Leipzig arbeitet mit 200 Handelspartnern. Diese kaufen dort ein und geben die Energie an ihre Vertragspartner, den Endkunden, weiter. Die regelmäßigen Teilnehmer sind allerdings in ihrer Zahl viel geringer und liegen nur im zweistelligen Bereich. Auch beim Strom gibt es einen variierenden Index – den “Phelix“. Dieser benennt den jeweils aktuellen Wert beim Strom. Bis zu 75 Minuten vor der entsprechenden Stunde kann noch mit dem Strom gehandelt werden.  Aber nur bis täglich 15 Uhr – danach deklarieren sich bereits die Preise für den nächsten Tag. Praktisch geht es dabei darum, möglichen raschen Bedarf oder Überschuss zu korrigieren. Daneben gibt es den Terminmarkt, die sogenannten “Phelix Futures”: Es geht um bestimmte Zeiträume – vom bloßen Tag bis zu mehreren Jahren, in denen die Geschäfte im Voraus zum Fixpreis möglich sind.

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