Sichere Liquidität gibt es nicht geschenkt - kann sich aber bezahlt machen. Quelle: flickr.com / Tax Credits
Nicht nur Privathaushalte leiden unter den steigenden Energiekosten. Auch die Industrie wird zunehmend nervöser und manch versorglich denkender Unternehmer greift auf heute noch eher unbekannte Mechanismen zur Absicherung zurück: Einer Versicherung gegen steigende Energiekosten.
Gemäß einer Befragung von 4000 mittelständischen Deutschen fühlen zwei Drittel von Energiekosten-Erhöhungen dermaßen betroffen, dass sie deshalb Angst um ihren künftigen Profit haben müssen.
Relevanter Faktor: Importierte Rohstoffe und ihr Verhältnis zum Cahshflow
Ein wesentlicher Kostenfaktor für die Industrie sind die Preise für importierte Rohstoffe. Nach Umfragen der DIHK, Deutscher Industrie- und Handelskammertag, sehen heute drei Viertel der Industriellen ein unabschätzbares Risiko. Sie werden zerrieben, einerseits von den mächtigen Lieferanten und andrerseits den nicht minder starken Abnehmern. Zwar vertraglich gebunden, aber dennoch dem Tagespreis ausgesetzt, ist ihre schwache Position ein schwieriger Ausgangspunkt für vernünftige Kalkulationen. Nicht aber den Kosten selber sollte bei der Analyse höchste Bedeutung beigemessen werden, sondern dem Cashflow und der Liquidität, so Frank Hoppe, dem Direktor für Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement bei Hauck & Aufhäuser Finance Consulting.
Die Ermittlung dieses Postens ist durch die bisherigen Einkaufs- und Verkaufspreise in Verbindung mit der Marge zum aktuellem Rohstoffkurs zu berechnen. Die Gretchenfrage lautet, wie viel dieser Marge von der Rohstoffpreisschwankung maximal aufgewendet werden kann, ohne das Unternehmen ernsthaft in Schwierigkeiten bei der Liquidität zu treiben. Auf diese Weise sind die Grenzen der eigenen Risikofähigkeit zu beziffern. Alles, was darüber hinausgeht, kann die Existenz des Unternehmens bedrohen – denn die Erhöhungen können entweder gar nicht oder erst später weitergegeben werden. Werner Schlegel, Direktor Equity & Commodity Structuring bei der DZ Bank, empfiehlt einige Maßnahmen zum Gegensteuern: den Kauf größerer Mengen, einen Ausbau der eigenen Lagerstätten, modifizierte Vertragsgestaltung mit Lieferanten und Abnehmern. Und wer nicht ausreichende Erfahrungen für Termingeschäfte an Rohstoffbörsen aufweist, sollte sich hierzu Handelspartner suchen. Zu guter Letzt werden über börsennotierte Stoffe von Banken häufig Produkte zur Risiko-Absicherung angeboten. Auch diese Alternative sollte man in Erwägung ziehen und ein persönliches Angebot eingeholt werden.
Diese Produkte werden von der DZ-Bank angeboten – allerdings erst ab einem Volumen in der Höhe von 200.000 Euro. Die “Financial Times Deutschland” veranschaulicht dieses Vertragsverhältnis anhand einem Beispiel: Ein Spediteur verbraucht pro Monat 30 Tonnen Diesel mit zwölf Lastkraftwagen. Gegen Bezahlung einer vereinbarten Prämie übernimmt die Bank eventuell enstehende Mehrkosten, wenn ein – ebenfalls zu vereinbarendes – Ausmaß an Erhöhungen stattfindet. Es handelt sich dabei um nichts anderes als eine Versicherung. Und eine solche kann darüber hinaus die eigene Bonität vor Banken erhöhen.
