Manchmal geht es nicht um Adäquanz, das Preis-Leistungsverhältnis oder schlicht um die allgemeine Vernunft. Die Nachvollziehbarkeit wird subjektiv. Bekannte Namen bringen Geld. Auch mit den Dingen, die Otto Normalverbraucher entsorgt. Im Jahr 2011 konnten die Zuseher von “Deutschland sucht den Superstar”, DSDS, Dieter Bohlens edle Geste bewundern, mit welcher er einem Kandidaten sein neues Schuhwerk als Trostpreis zuteil werden ließ. Dieser stellte sie kurzerhand in Ebay: 4000 € brachte ihm das ein.
Im April 2012 wird Ebay erneut zum Schauplatz für eine Wertsteigerung, die manch Einem bloßes Erstaunen beschert: Die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, verkaufte 1996 einen VW Golf, den sein Besitzer nun Jahre später dort zum Verkauf anbot – ein Fahrzeug, dessen Marktwert die Entsorgungskosten nicht deckt. Mittels Publizität der berühmten Vorbesitzerin in der Artikelbeschreibung aber stand das Höchstgebot am 5.4.2012 schon auf 10.000.- €, berichtet “Der Standard“.
In Ebay haben diese für Viele nicht nachvollziehbaren Käufe allerdings schon Tradition: 2005 konnte man dort den Golf vom Papst Benedikt XVI. erwerben. Allerdings nur, wenn man 190.000.- € locker hatte. Bei Käufen wie diesen bezahlt der Käufer Liebhaberpreise: Eine Berechnung, die vom objektiven Marktwert weit entfernt ist und Schätzungen im Voraus sehr schwierig sind.
Der Liebhaberwert in unserem Rechtssystem
Grundsätzlich sind Werte geschützt, die in Adäquanz zur Verwendung stehen. Der Kauf eines Autos mit versteckten Mängeln lässt berechtigte Forderungen entstehen. Hier aber nützt es dem Käufer nichts, wenn er sich im Nachhinein auf den Zustand berufen würde. Er bezahlt den sogenannten Liebhaberpreis. Dieser definiert sich ausschließlich dadurch, dass er den gemeinen Wert oder Marktwert überschreitet. Ein solcher wird auch in entsprechenden Versicherungsverträgen geschützt. Er definiert sich letztlich durch die konkrete Nachfrage, welche sich an seinem Seltenheitswert orientiert. Diese Summe einzugrenzen bedarf ein Vorstellungsvermögen, welches seinerseits einen absurd anmutenden Beigeschmack mit sich bringt: Würde Dieter Bohlen alle seine ausgetretenen Schuhe in Ebay einstellen, hätte dies wahrscheinlich einen Preisabfall für das einzelne Paar zur Folge.
Manche Gegenstände sind generell mit Liebhaberwert behaftet, ohne dass es eines Weiteren bedarf und deren Wert auch im Voraus keine Variable ist: So sind Briefmarken und Münzen lediglich aufgrund ihrer Anzahl eine fixe Komponente geworden, auch ohne dass sie eine Berühmtheit zuvor in Händen gehalten haben muss. Sie weisen mittlerweile einen Handelswert auf, der berechen- und versicherbar ist.
Kommt einem guten Stück allerdings nur die eigene, persönliche Wertschätzung zugute, handelt es sich um einen ideellen Wert, den etwa ein lieb und teuer gewordenes Erinnerungsstück aufweist – nur: Versicherbar ist dieser nicht. Die Sache würde auch auf Ebay nur den Marktpreis erzielen – es sei denn, das gute Stück wäre schon durch prominente Hände gewandert.

