ARD und ZDF wollen mehr Geld: Gebühren steigen 2013

 

Die Media-Akademie ARD und ZDF in Hannover - Quelle: flickr.com / ktking

Die “Zeit” nannte es Mitte 2010 “vom Volk bezahlte Verblödung”, was die öffentlich rechtlichen Sender in Deutschland mit dem Geld der Bürger veranstalten. Wer geht der Sache eigentlich auf die Spur? 

Für den Fernseher sind knapp 18 € jedes Monat zu bezahlen. Selbst für Computer mit Internetanschluss sind in Deutschland monatlich 5,52 € fällig – bei Inbetriebnahme ließe sich nämlich heimischer Rundfunk damit lauschen. ARD und ZDF wollen aber ein höheres Budget – vom Bürger sollen es insgesamt 900 Millionen Euro mehr sein als bisher. Das ergäbe einen Anstieg auf 18,86 € für den Einzelnen. Deutschland nimmt jetzt schon eine Spitzenposition ein mit der Höhe der Investitionen in die öffentlich-rechtlichen Kanäle. In Frankreich oder Italien ist man dagegen schon mit etwas mehr als der Hälfte dieser Beträge dabei.

Kultur, Beratung oder Unterhaltung? Telenovas, Musikantenstadl und “Hallo Deutschland”

Experimente lassen sich mit diesem Polster gewiss einfacher verwirklichen als von Privatsendern: So unterhält alleine der ARD 11 eigene Orchester, 64 Radio-Programme stehen zur Auswahl, um sie auch durchgängig posaunen zu lassen. Einen Shop in teurer Lage könnte sich nicht jedermann erlauben – der WDR präsentiert sich hingegen sehr wohl auf diese Weise. Ob dies einer breiten Anhängerschaft zugute kommt oder insbesondere noch vom gesetzlichen Auftrag gedeckt ist, ist eine andere Sache. Der Charakter von Zwangsbeglückung lässt sich nicht leugnen: DJ Ötzi und andere Schlagerkanonen stoßen nicht auf Wohlgefallen aller.  Eine Minute “Jauch” soll 4487,18 € kosten. Ein WDR-Redakteur soll beim Kölner Verwaltungsgerichtshof Verschwendung angeprangert haben.

Was ist aber der eigentliche Auftrag dieser Institutionen?  Auch insofern wollte man mit dem Staatsgrundgesetz eigentlich das Beste – die Vermittlung von Information, Beratung, Bildung und Kultur: ein gewiss wichtiges Unterfangen, wenn nicht essentiell für Demokratie und eine aufgeklärte Gesellschaft.

9 Millionen Euro für Bewerben der eigenen Unterhaltungssendungen

Ob oder inwieweit dieser Auftrag erfüllt wird, ist eine andere Frage. Was ist Kultur? Oder: Sind 9 Millionen Euro an Kosten für Eigenwerbung für Unterhaltungssendungen durch diesen Auftrag gerechtfertigt – Eigenwerbung überhaupt? Sorgt nicht bereits ein Internetzugang und die Privaten viel besser für die Umsetzung? Umfasst er auch die Entsendung von 600 Mitarbeitern von ARD und ZDF zu den Olympischen Spielen in Peking, wo nur 434 deutsche Sportler teilnahmen? Oder die gleichzeitige Ausstrahlung einer Prinzenhochzeit auf zwei Kanälen?

2010 wurden von ARD und ZDF 780 Millionen Euro für Sportberichte ausgegeben. Die Summen für Übertragsungsrechte dabei übersteigen jeden Rahmen der Vernunft: Private können und wollen hier nicht mithalten. Dabei fließen Summen außerhalb jeglicher Relation. Während man sich beim Sport über große Etat-Steigerungen freuen durfte, gab es Kürzungen bei Kultur und Wissenschaft. Bei der Wirtschafts-Berichterstattung und Zeitgeschichte gab es ebenfalls hohe Einsparungen. 2016 sollen 160 Millionen alleine für die Übertragung der WM aus Frankreich fließen.

Mit 2013 wird künftig pro Haushalt, und nicht pro Gerät bezahlt. Darunter fallen etwa auch Smartphones. Es ist mit satten Mehreinnahmen zu rechnen, auch deshalb, weil es keine Überprüfungen in den Haushalten mehr gibt und damit Personal gespart wird.  Auf diese Weise verkauft sich die Erhöhung allerdings als “Reform”. Die Einsparungen bim Personal führen zu keiner Entlastung der Bürger.

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