Abzocke bei Dispozinsen häufig rechtswidrig

Überziehungszinsen am Konto: Abzocke im großen Stil? Quelle: flickr.com - aranjuez1404

Bis zu 15 % berappt der Deutsche für seine Überziehungszinsen am Konto und damit einen Betrag, der sich von allen anderen an Fremdmittel durch die Kosten in gewaltiger Weise abhebt. Kein Darlehen, kein Kredit, keine Ratenzahlung kann derart hohe Summen verschlingen. Und doch ist es der Kunde gewohnt und im Falle des Falles froh, bei Bedarf darauf zurückgreifen zu dürfen.

Vor allem die mangelnde Transparenz in der Anpassung der Höhe ermöglicht ein hohes Ausmaß an Willkür. Der Bundesverband Verbraucherzentrale, vzbv, überprüfte die Zinsanpassungsklauseln diverser Geldinstitute und kam zum Schluss, dass viele Regelungswerke rechtsunwirksam ausgestaltet sind. Das Zahlungsdiensterecht wird häufig hintergangen, wonach es für den Kunden keine Benachteiligungen geben darf. Eine Benachteiligung liegt aber etwa dann vor, wenn zwar eine Anpassung an den Referenzzins vereinbart wird – oder sich besser gesagt, in den AGB befindet – deren nähere Deteminierung aber “im Ermessen” der Bank liegt oder wenn der Anpassungszeitpunkt nicht definiert wird.

Der Gesetzgeber ist gefordert

Der vzbv fordert eine Deckelung der Gewinnmarge zwischen den Überziehungs- und Refinanzierungszinsen. Damit wäre der wirtschaftliche Spielraum der Banken gesichert aber unverhältnismäßig hohe Belastungen für den Kunden wären aus der Welt geschaffen. Gerade in Zeiten, in denen die Banken nämlich selber kaum Zinsen zu bezahlen haben, würde dieser Vorteil zumindest zu einem kleinen Teil auch den Konsumenten zugute kommen.

Das alleine genügt aber noch nicht – auch der Gesetzgeber ist weiter gefordert, Transparenz zum Durchbruch zu verhelfen. Die Zinsmargen und Zeitpunkte der Anpassung müssten verbindlich angegeben werden, um Abzocke im großen Stil zu vermeiden.

Ein Prozentpunkt bringt in Summe den Banken 400 Millionen Euro

Ein Volumen von 39,6 Milliarden Euro auf volkswirtschaftlicher Ebene wurde 2011 von der Deutschen Bundesbank bekannt gegeben. Das bedeutet, ein bloßer Prozentpunkt bringt den Banken 400 Millionen Euro. Durchschnittlich soll das Girokonto eines jeden achten Inhabers überzogenes sein. Zumindest eine kleine Möglichkeit, diese Kosten zu minimieren, bietet sich durch einen ordentlichen Konditions-Vergleich der Banken, indem man auch die Dispozinsen beachtet.

Weitere Artikel zum Thema:

  1. Sparer gehen auf Nummer sicher Eine Umfrage der Hamburger Sparkasse (Haspa) bei 800 Probanden über ihre...
  2. Länder vs. Bund bei Steuergerechtigkeit – Anrufung des Vermittlungsausschusses Wie bereits berichtet, legen sich die Länder gegen die verfassungsrechtlich...
  3. Stärkung der Kunden durch regulierte Fristen ab 2012 dank EU Wer nur ausgeben kann, was aktuell hereinkommt, befindet sich –...
  4. 2,5 Mrd. Euro jährlich alleine in Deutschland an Zinsen verschenkt Das klassische und überall bekannte Girokonto ist sowohl die wichtigste...
  5. Geldausgabe oder Geldschlucker? Bis zu 9 € Gebühr am Fremdautomat – Bundeskartellamt prüft Wer den Bankomat eines fremden Geldinstituts benützt, bezahlt dafür. Zumindest...
  6. Gebühren für Girokonto lassen sich problemlos einsparen Wer sich für ein Girokonto interessiert, sollte heute nicht mehr...
  7. EU schmiedet Plan für griechische Staatsanleihen – Privatinvestoren erdulden einen Schuldenschnitt von 50% – Rettungsfonds gestärkt BRÜSSEL. Europäische Staats- und Regierungschefs verlautbaren einen Plan zur Reduzierung...
  8. Gratis-Konten: wo die Kostenfallen lauern Wenn Konten kostenlos angeboten werden, wird damit unübersehbar geworben. Einschränkungen oder...
  9. Kreditvergleich: Was Zusatzleistungen kosten dürfen Banken machen es Verbrauchern nicht leicht: Durch immer neue Zusatzleistungen...

Kommentieren