Riester-Rente laut seriöser Studie “Flop anstatt Top” – Tagesgeld kann besser sein als Riestern

Sichtbare Enttäuschung in den Gesichtern:Die Pressekonferenz zur Riesterrente am 23.11.11 - Quelle: flickr.com/DIW Berlin

Ein äußerst schlechtes Abschneiden wurde der seit etwa einem Jahrzehnt bestehenden Riester-Rente zuteil, nachdem das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Form einer Studie den Anbietern nicht nur über die Schulter blickte. Zumindest als Zwischenbilanz wurde das Ergebnis als enttäuschend bezeichnet. Die Erwartungen sind in keinster Weise erfüllt worden.

Schon alleine die hohen Gebühren führen die Zielsetzung – das zweite Standbein zur Altersvorsorge – ad absurdum, so die Experten. Die schlechte Rendite rechtfertigt diese in keinster Weise im Sinne des vorsorglichen Sparer, der sein Vertrauen in das wohl umworbenste Finanzprodukt unserer Nation gesetzt hatte.

Die Kalkulationsgrundlagen sind undurchsichtig und intransparent aufbereitet. Die Entwicklung der Riester-Produktpalette entwickelte sich – entgegen aller Erwartungen – zu Ungunsten der Sparer, diagnostiziert auch die DIW-Expertin in Verbraucherpolitik, Cornelia Hagen. Sie fordert eine umfassende Reform, um dem entgegen zu wirken, was sich als mehr als eine bloße Tendenz bewahrheitet hatte. Der Gesetzgeber ist gefragt. Nur jene Menschen, deren Einkommen unterdurchschnittlich ausfällt – Menschen mit Migrationshintergrund und/oder einem geringen Bildungsstatus riestern weniger. “Riesternde” Sparer jedoch haben mittlerweile einen Anteil von 40 % der Gesamtbevölkerung erreicht.

Wissenschafter ziehen Vergleich zum Sparstrumpf

Viele der Vorsorge-Sparer hätten mit einem Sparstrumpf dieselben “Gewinne” erzielt, wird zu Recht kritisiert. Anfangs wäre eine rentable Entwicklung möglich gewesen, doch die aktuellen Angebote können nur eine niederschmetternde Diagnose erhalten. Die Konditionen der Anbieter bewegen sich konsequent in eine immer schlechtere Richtung für die Kunden, stellt Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender beim Bund der Versicherten, der aktiv an der Ausarbeitung der Studie beteiligt war, ernüchtert fest. Die Angebote aus 2001 waren noch besser konstituiert als die heute erhältlichen Neuprodukte.

In einem einfachen Rechenbeispiel veranschaulicht er den bundesweiten Fauxpas, der bislang für vorausschauende Bürger als “Must-Have” der Altersvorsorge betrachtet wurde: Schließt heute eine 35-Jährige einen typischen Vertrag, käme sie – inklusive staatlicher Förderung (!) – nur dann auf einen Gewinn in der Höhe von 2,5 %, wenn sie einmal kurz vor ihrem 85. Geburtstag stünde. Möchte dieselbe Sparerin zumindest den eingezahlten Betrag lukrieren und die Zuschüsse erhalten, geht dieser Traum nur bei einer Lebenserwartung von mindestens 77 Jahren in Erfüllung. Die Hoffnung, den Inflationsausgleich und ein etwas besseres Zinsniveau zu erhalten, wird nur im zarten Alter von 104 Jahren möglich werden.

Versicherer lassen sich nicht gerne in die Karten schauen

Eine allgemeine, verbindliche Kalkulationsgrundlage wird von den Anbietern nicht geboten – von welcher Lebenserwartung die Anstalten tatsächlich ausgehen, bleibt bis heute unbekannt. Die Überschussverteilung wurde ebenfalls zum Nachteil der Anleger verändert. Darüber hinaus wurde der garantierte Zinssatz um beinahe ein Drittel verringert. Die Spezialisten stellen konkrete Forderungen an den Gesetzgeber: Zuerst muss Transparenz gewährleistet und ein Vergleich der einzelnen Anbieter ermöglicht werden. Zu guter Letzt kann der Konsument nur anhand Zertifikaten, die inhaltlich bewerten, rechtzeitig erkennen, ob die Anstalt und das jeweilige Produkt den Ansprüchen gerecht wird.

Somit sind auch die Versicherungsanstalten gezwungen, für die Ältesten unter uns ausreichende Mittel zurückzulegen. Ansonsten wird die Rente bei gleichbleibender Sparleistungen immer geringer ausfallen – dies ergibt sich schon alleine aus der steigenden Lebenserwartung, die redlich und nachvollziehbar als Kalkulationsgrundlage dienen muss.

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