Tumulte auf den Straßen Athens

Ein Straßen-Café in Athen zu besseren Zeiten - was wird die Zukunft bringen? Quelle: flickrom.com / darkensiva

Die Griechen schäumen vor Wut über die Eskapaden ihrer politischen Führung und haben nur wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende der wirtschaftlichen Misere durch die versprochene Regierung der nationalen Einheit.

 

Tumulte vor dem Parlament in Athen

Die Menschen auf den Straßen der griechischen Hauptstadt ließen ihre Wut am Freitag vor dem Parlament des Landes heraus, während in den Räumen des zentral gelegenen Gebäudes ein Misstrauensvotum gegen die Regierung durchgeführt wurde.

“Es ist ein totales Chaos. Diese Politiker wissen nicht, was sie tun. Sie reagieren nur auf die Kritik aus den verschiedensten Ländern Europas” sagt Costas Ioannou, ein 38-jähriger Bankangestellter. Eine parteiübergreifende Bewegung, welche die Zankerei zwischen Griechenlands regierender sozialistischen Partei und der konservativen Opposition überwinden könnte, wäre eine gute Sache, wenn die Politiker ernsthafte Schritte in Richtung Überparteilichkeit machen würden, meint Ioannou. “Aber ich bezweifle, dass sie diese Reife aufbringen können.”

Nachdem der inzwischen gescheiterte Vorschlag des Premierministers Papandreou, eine Volksabstimmung über Griechenlands Rettungsplan abzuhalten, europäische Staats- und Regierungschefs verärgert hatte und die internationalen Kapitalmärkte erschütterte, fühlen sich viele Griechen gedemütigt und dies auf dem internationalen Parkett.

Apostolos Dendrinos, 46, Marketingchef eines multinationalen Unternehmens, dessen Arbeit ihn oftmals ins Ausland führt, sagt er stünde im Moment immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aufgrund seiner griechischen Staatsbürgerschaft. Er müsse sich von seinen ausländischen Arbeitskollegen oft sagen lassen, wie sehr die Rettung Griechenlands die Steuerzahler anderer Länder belasten würde. “Sie machen mir Vorwürfe, als ob es mein Fehler wäre. Ich bin wütend und beschämt darüber, dass uns eine Hand voll machthungrigen Amateuren an diesen traurigen Punkt gebracht hat” sagte er.

Ein Großteil der Griechen würde Änderungen in der politischen Landschaft begrüßen, bezweifelt aber gleichzeitig, dass sich die Abgeordneten für das Land und nicht für den individuellen Gewin einsetzen würden. Der Ruf nach einer drastischen Veränderung wird laut. “Eine militärische Diktatur ist die einzige Antwort auf das korrupte Verhalten der Politiker” sagt der Taxilenker Petros Lollis, 62, der einige Jahre bei der Küstenwache des Landes gearbeitet hatte.

Angst vor Zahlungsausfällen dominiert den Geschäftsverkehr

Aufgrund der nunmehr schon vier Jahre andauernden Rezession sind Unternehmer dazu gezwungen, sich anderswo zu orientieren, um zu überleben. Stefania Frangista, eine 25-jährige Designerin und Inhaberin eines eigenen Modelabels sagte, sie glaube an keine der beiden großen Parteien – weder an die sozialistische, noch an die neue demokratische Partei: “Keiner der beiden Parteichefs vermittelt mir ein Gefühl von Sicherheit.” Frau Frangista sagt, sie habe Ärger mit der Zahlungswilligkeit und -fähigkeit  ihrer Kunden. Der härteste Teil der Arbeit sei, dass man nicht wisse, welcher Kunde zahlen wird. “Jeder steht unter ernsthaftem Druck und das erzeugt eine enorme Unsicherheit” meint sie. “Wer kann, wendet sich dem Export zu und steht besser da, denn die Kunden im Ausland sind vertrauenswürdiger und pünktlich in der Bezahlung.”

Avgi Oikonomidou, eine 33-jährige Beraterin ist der Ansicht, die Griechen fühlten sich aufgrund der ständigen Krise verbraucht. Viele Bürgerinnen und Bürger hätten mittlerweile verstanden, dass sie nicht länger über ihren Verhältnisse leben könnten und haben deshalb ihren Lebensstil entsprechend angepasst.

Aber jene Politiker, welche die desaströsen Staatsschulden Griechenlands verursacht haben, änderten ihre Einstellung bisher nicht, meint Frau Oikonomidou: “Sie sind nur an sich selbst interessiert.”

 

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