Van Persie: Arsenals finanzieller Trumpf

Stan Kroenke nahm am Donnerstag an einer öffentlichen Versammlung von Arsenals Aktionären teil, zum ersten Mal seit er vor fünf Monaten eine Mehrheitsbeteiligung an dem Club übernahm. Anders als bei vorherigen Versammlungen, konnten dieses Mal Fans keine spontanen Fragen stellen, stattdessen beantworteten die Vorstandsmitglieder vorgefasste Fragen.Aresenal:Schlechtester Saisonauftakt seit 1953 - Quelle: flickr.com / nguyencuong

Das war wahrscheinlich auch besser so, denn seit 1953 hatte Arsenal noch nie einen derartig schlechten Saisonauftakt zu verzeichnen.

Der Saisonbeginn der „Gunners“ war gezeichnet vom Abgang ihrer zwei wahrscheinlich besten Spieler im Sommer – Mittelfeldspieler Samir Nasri und Cesc Fabregas – und jenem des Stammspielers Gael Clichy. Die neu gekauften Spieler konnten die Herzen der Fans bisher nicht höher schlagen lassen. Da Arsenal seit 2005 kein Tafelsilber mehr gewonnen hat und im letzten Jahr gegen Ende der Saison quasi kollabierte, gibt es viele offene Fragen.

Kroenke‘s Sorgen dürften allerdings zum Teil reduziert worden sein, als er sich weniger als 48 Stunden nach der Versammlung auf den Weg nach London machte, um das Spiel Arsenal gegen Chelsea zu besuchen. Gegen den Favoriten gelang es den „Gunners“ nach zweimaligem Rückstand einen 5:3 Sieg zu holen.

Bei näherer Betrachtung der jüngsten Ergebnisse seines Clubs dürfte sich Kroenke fragen, was der ganze Aufruhr soll. Arsenal hat mittlerweile acht der letzten neun Spiele gewonnen und konnte durch diese Serie von Platz 17 auf Platz sieben der Premier League vorrücken. Es ist doch also alles bestens. …oder etwa nicht?

Die Antwort darauf wird zu einem großen Teil von dem Spieler abhängen, der am Samstag einen Hattrick erzielte, Mittelstürmer Robin van Persie. Der holländische Stürmer erzielte bisher 12 Tore in 14 Spielen und das ist nur ein Teil der Geschichte. Auf dem Platz spricht seine nur selten gegebene Mischung aus Größe, Schnelligkeit und Technik für ihn.

Das Problem ist van Persies Vertrag: Dieser läuft 2013 aus und Arsenal hat eine wichtige Entscheidung zu treffen – und zwar jetzt. Während der letzten 18 Monate eines Vertrages sinkt der Transferwert eines Spielers rapide ab. Genau so ist es mit Nasri passiert, der im Sommer, 10 Monate vor Ablauf seines Vertrages, für nur 38 Millionen Dollar an Manchester City verkauft wurde.

Wie es aussieht hält van Persie im Moment alle Trümpfe in der Hand. Arsenal ist für seine Haushaltsdisziplin bekannt (so auch Kroenke), aber van Persie unter den selben Umständen zu verlieren wie Nasri wäre ein harter Schlag für das Image des Clubs.

Wenn Zuwarten der Plan van Persies ist, um so einen bestmöglichen Deal zu erzielen, so tut er dies auf sein eigenes Risiko. Er ist verletzungsanfällig. Extrem verletzungsanfällig. So dürfte es auch in seinem Sinne sein, einen Vertrag eher früher als später zu unterzeichnen.

Best-Case-Szenario

Das Best-Case-Szenario für Kroenke sieht etwa folgendermaßen aus: Van Persie erzielt weiterhin ein Tor nach dem anderen bis Jänner und führt Arsenal direkt unter die Top 4. An diesem Punkt verletzt er sich, versäumt ein paar Spiele und erklärt sich angesichts der bangen Zukunft dazu bereit, einen für Arsenal vernünftigen Vertrag zu unterschreiben. Danach kommt er zurück und verhilft den „Gunners“ zu einem starken Finish, wodurch wieder alle glücklich sind. Das hört sich zwar etwas verdreht an, würde allerdings angesichts Arsenals momentaner Realpolitik durchaus Sinn machen.

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